Love-Romance-Tourette-eBooks
Kelvin Waiden schreibt über sein Leben mit Tourette in romanhaften Biografien
Samstag, 8. August 2026
Dienstag, 14. Juli 2026
Tatort :Liebe
Tatort :Liebe
Kelvin ist ein schüchterner, junger Mann. Er ist noch Single und das hängt hauptsächlich an seinem Handicap. Immer wieder treibt es ihn zu seinem besten Freund und gemeinsam versuchen Sie ihre Sehnsüchte und Verlangen nach dem anderen Geschlecht in Alkohol zu ersäufen. Sein neunzehnter Geburtstag wird zu einem Fiasko.
Motiv :Sehnsucht
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Er fing ganz normal an, der Ausflug nach Südfrankreich. Es
sollten ein paar erholsame Tage werden, für Birger. Aber dann wird er in ein
Abenteuer verwoben, das er mit seinen 18 Jahren nicht hätte für möglich
gehalten. Und er wird feststellen, dass seine Gefühle und Zwänge nur
lästiges Beiwerk in seinem Leben sind. Die wahre Natur seiner Sehnsüchte wird
erkennbar. Und eine Liebe erwacht. Der schüchterne Cassian macht mehr zufällig
die Bekanntschaft von Melanie. Es scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein.
Als er dann jedoch auf Melanies Geheimnis stößt, wird ihm sein eigenes Handicap
erst richtig bewusst. Noch verschweigt er, dass er unter dem Tourette Syndrom
leidet. Wie lange kann er seine Tics noch unterdrücken? Wie kommt er damit
zurecht, dass Melanie als Prostituierte gearbeitet hat?
Donnerstag, 26. Mai 2016
Vergangene Liebe
Titel: Vergangene Liebe
Cassians Frau
Melanie war mit ihrem neuen Freund und seinem nagelneuen Golf nach Ibiza
durchgebrannt. Er wollte eigentlich keine neue Beziehung mehr. Dann trifft er
Alena. Seine Gefühle sind zwiespältig. Aber auch Alena hat eine Vergangenheit.
Ihre Wege kreuzen sich immer wieder. Ob Cassian will oder nicht, er wird sich
entscheiden müssen, wie es mit seinen verletzten Gefühlen weitergehen soll.
Auch sein Handicap meldet sich wieder stärker. Cassian leidet unter dem
Tourette Syndrom.
Science Fiction / Fantasy Bücher als Ebook und Printausgaben mit dem besonderen Augenmerk auf Helden.
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Sonntag, 15. Mai 2016
Junge Liebe (Wenn die Sehnsucht erwacht)
Auf der Jugendreise nach Holland wird der 16 Jährige
Christian von einem Gefühlschaos ins nächste gestürzt. Seine Liebe scheint unerreichbar
zu sein. Doch das Leben geht seinen eigenen Weg und Christian lernt, dass das
andere Geschlecht nicht mit logischen Gedanken zu begreifen ist. Seine Gefühle entführen
ihn in eine andere Welt und die innere Einsamkeit löst sich mehr und mehr auf.Leseausschnitt:
„Muuudffuuugfuud“, seine Hand zuckte mehrmals und schlug das leere Glas vom Tisch. Ein kurzer, dumpfer Ton und das Glas rollte gegen das Tischbein. Anscheinend war es nicht zersplittert. Das hörte sich anders an. Christians Gedanken verlangsamten sich und wurden zäh wie Brei. Er sah seine Bianca im Eingangsbereich an der Kasse stehen.
Kastanienbraune Haare, einen hellgrau gestreiften, weißen Pelzmantel und hellbraune Stiefel, in denen die braune Stoffhose steckte. Und dann die Hand an ihrem Kopf. Der Typ hatte tatsächlich die Haare zu einem kleinen Haar Zopf zusammengebunden. Blonde Haare. Er trug ein schwarzes Jackett und hatte ein einfaches, weißes T-Shirt darunter. Er war mindestens zehn Jahre älter als Bianca.
Christians Blick wanderte mit ihnen, als sie weitergingen. Sein Kopf war frei von allen Gedanken. Er war nur noch ein Zuschauer.
Der Arm des Mannes legte sich von hinten besitzergreifend auf die linke Brust von Bianca. Sie hatte den Mantel offen stehen und die Bluse verhüllte gerade so ein sehr gewagtes Dekolleté. Sie küssten sich im Gehen.
Dann verlor Christian sie aus den Augen. Er saß eine ganze Weile einfach nur da.
Keine Tics, keine Zwänge. Seine Gedankenwelt war leer. Die eine Träne, die sich aus dem Auge drängte, war die einzige ihrer Art. Sie wusste nicht, ob sie eine Verzweiflungsträne war oder eine Verlustträne.
Jedenfalls, als die Träne die Tischplatte erreichte, sprang Christian auf und schaute kurz um sich. Erschrocken blickten ihn die beiden Personen, die neben ihm saßen, an.
Er wollte erst einmal nur hinaus. Raus aus dem Raum, aus der Diskothek. Er brauchte frische Luft. Unterwegs zum Ausgang kamen ihm auf einmal wieder ganz andere Gedanken. Sollte er nicht doch erst zu Bianca gehen und versuchen mit ihr zu sprechen. Wieso kam sie denn überhaupt hierher. Sie wusste doch, dass es seine Heimatgemeinde ist und dass er hier jetzt wohnte.
War das vielleicht ein Zeichen.
Christian hatte gerade den Türgriff in der Hand, als seine Gedanken übermächtig wurden und er fast handlungsunfähig. Da wurde ihm die Entscheidung abgenommen. Die Tür ging, wie es schien, von selber auf.
Natürlich, wie alle Brandschutztüren, nach außen und ein eiskalter Zug blies herein.
Direkt vor ihm stand Naya. Christian blinzelte mehrmals und schüttelte den Kopf. Fing er jetzt an verrückt zu werden? Sie blinzelte keine Sekunde später als er und ihr Kopf zuckte mehrmals.
„Schuuuwwzzfortzz“, sie konnte den Tic nicht mehr unterdrücken. „Wow, das passt ja wie der Schlag aufs Auge“, sie lächelte Christian an.
Dieser war noch zu sehr von den Ereignissen überrannt, um zu reagieren. Hinter Naya kam noch ein etwas älterer Mann mit herein.
„Christian, das ist mein Vater. Paps, das ist Christian.“ Sie sagte das so, als wäre der Name Christian bereits eine Offenbarung und überall bekannt.
Ihr Vater drängte sich vor sie und reichte Christian die Hand. „Freut mich sehr, Sie persönlich kennenzulernen. Wirklich.“ Leseausschnitt Ende.
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InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V.
Erste Liebe
Kelvin ist ein schüchterner, junger Mann. Er ist noch Single
und das hängt hauptsächlich an seinem Handicap. Immer wieder treibt es ihn zu
seinem besten Freund und gemeinsam versuchen Sie ihre Sehnsüchte und Verlangen
nach dem anderen Geschlecht in Alkohol zu ersäufen. Sein neunzehnter Geburtstag
wird zu einem Fiasko. Das Mädchen, in das er sich verliebt hat, ist nicht
gekommen und die Mädchen, die ihn wollen, machen es ihm auch nicht gerade
leicht, nein zu sagen. Aber ein Mädchen
in seiner Stammdiskothek scheint Gefallen an ihm gefunden zu haben. Sein Herz
rast, wie soll er sich verhalten, um sie nicht zu verschrecken?Leseausschnitt:
Erst jetzt, im Alter von knapp 18 Jahren kamen sie wieder zusammen. Kelvin ging noch zur Schule. Andreas war mit seiner Ausbildung fertig und war bei einem hiesigen, kleinen Familienunternehmen im Nachbarort, angestellt. Er verdiente schon Geld, während Kelvin noch auf seine Eltern angewiesen war.
„Fufufu“, kam es leise aus seinem Mund. Kelvin hatte Tourette. Die sogenannte Koprolalie machte ihm hauptsächlich zu schaffen.
Er musste immer wieder Wörter, die Selbstlaute beinhalteten, ausstoßen.
Trotzdem oder gerade wegen diesen Zwängen versuchte er natürlich die Wörter so gut es ging zu unterdrücken. Meist waren es auch obszöne Worte.
In der kleinen Gemeinde, in der er wohnte, wusste niemand so recht über seine Krankheit Bescheid. Und das war auch ganz gut so. Seine Eltern mussten zwar damit auskommen. Aber sie ignorierten ihn, sowie so gut es ging.
Es schellte an der Tür. Die Mutter von Andreas öffnete. „Hallo, er ist im Wohnzimmer.“
Sie hielt die Tür am Griff fest, während Kelvin hineinging. „Andreas hat schon auf dich gewartet“, sie schloss die Tür und ging zurück in die Küche.
Andreas Mutter war eine einfache Frau. Sie hatte vier Jungs und eine Tochter großgezogen. Es war nicht immer einfach gewesen, im Nachkriegsjahrzehnt.
Ihr Mann war LKW Fahrer und verdiente gerade mal das, was man zum Leben benötigte. Sie hatten trotzdem in den 60iger Jahren gebaut, aber waren nie richtig fertig geworden. Es fehlte halt das nötige Kleingeld.
Andreas saß im Wohnzimmer. Er saß immer an der kurzen Seite des Esstischs.
Ihm gegenüber stand das obligatorische Fernsehgerät, wie es in den 70er Jahren in jedem Haushalt üblich war. Links neben ihm stand wie immer ein Kasten Bier und manchmal auch ein Kasten Apfelwein.
„Hallo“, Kelvin grüßte kurz und setzte sich wie immer in der letzten Zeit an die Längsseite des Tisches.
Das Fernsehgerät war an und irgendeine Serie lief. Auf dem Tisch fehlte die Tischdecke. Neben dem Aschenbecher stand nur ein halb volles Bierglas und mehrere leere Flaschen Bier. Und die Fernsehzeitung. Der Ascher war bereits bis zum Anschlag voll.
Andreas hatte kein Oberteil an. Er schwitzte immer stark. Ohne Aufforderung stellte er aus dem Kasten am Boden eine Flasche Bier vor Kelvin auf den Tisch und öffnete sie zuvor mit dem Feuerzeug.
„Gibt’s was Neues?“ Kelvin sah ihn an, während er den Flaschenhals kurz mit der rechten Hand abwischte.
„Nö, alles wie immer. Außer dass ich die Woche krankgeschrieben bin. Mein Kreuz, du weißt!“ Er füllte sein Glas wieder auf.
Kelvin prostete ihm zu und trank einen großen Schluck aus der Flasche. „Ich will nachher noch in die Disco. Kommst du mit?“
Andreas steckte sich die nächste Zigarette an. „Geht nicht, ich bin doch noch krankgeschrieben. Da kann ich nicht.“
Draußen auf dem Flur knallte eine Tür. Andreas rief: „Torben, komm mal her.“
Torben war sein geistig etwas zurückgebliebener, jüngerer Bruder, 12 Jahre alt.
Als er zur Tür herein kam, grinste er zuerst Kelvin an und ging dann weiter, bis er direkt vor Andreas stand.
„Hier hast du Geld. Bring mir zwei Schachteln Zigaretten und eine Flasche Bacardi.“
Als Torben schon wieder gehen wollte, sagte Andreas noch: „Bring auch noch zwei Flaschen Cola mit.“
Er wendete sich zu Kelvin: „Hab was ganz was Feines im Kühlschrank. Warte.“
Als Torben den Raum verlassen hatte, stand er auf und ging in die Küche. Kelvin schaut ihm kurz hinterher und vertiefte sich ins Fernsehen.
Die Zigarette im Ascher klimmt weiter vor sich hin. Kelvin bekam einen großen Teil des Rauches ab. Seine Nase zog sich zu.
Der Druck in seiner oberen Nasenhöhle nahm zu. Zuerst merkte er nichts. Dann jedoch kam es über ihn: „Muuuuuhh, hemmmm.“ Er stieß dumpfe Laute aus. Der Zwang immer weiter zu ticen und lauter zu werden, nahm zu.
Er schaute zur Tür. Niemand zu sehen. Sein Kopf zuckte nach oben: „ Muuuuuuuh, effffff.“
Andreas kam zur Tür herein. In der einen Hand einen Kübel mit Eiswürfel und in der anderen eine Flasche Jonny Walker Whisky. Er stellte beides auf den Tisch.
Kelvin war etwas unsicher, ob er seine verbalen Tics bemerkt hatte. Andreas sagte jedoch nichts und ließ sich auch nichts anmerken. Er setzte sich wieder in seinen Stuhl, zog kurz an der Zigarette. Leseausschnitt Ende.
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InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V.
Samstag, 14. Mai 2016
Ticende Sehnsucht (Ein ganzes Leben mit Tourette)
Kelvin wird 19 Jahre und ist mittlerweile ein stattlicher
junger Mann. Sein Geburtstag wird zu einem Fiasko. Das Mädchen, in das er sich
verliebt hat, ist nicht gekommen und die Mädchen, die ihn wollen, machen es ihm
auch nicht gerade leicht nein zu sagen. Kelvin fühlt sich mehr und mehr in
seinen Gefühlen eingeengt und sein Tourette macht ihm immer mehr zu schaffen.
Es verlangt ihn nach einer festen Beziehung, nur den Weg dorthin können selbst
seine ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten nicht erkennen.Ich kann nicht mehr, hatte sie gesagt. Du wirst immer anstrengender. Kelvins Freundin schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Das war es. Sein altes Leben scheint ihm fremd geworden zu sein. Er ist nur noch ein Schatten in einer Welt, die ihn anscheinend nicht mehr haben will. So kommt es ihm jedenfalls vor. Und alles nur wegen dem Tourette, seiner Geisel. Er kann sie nicht ablegen. Wie soll es jetzt weitergehen?
Leseausschnitt:
17.30 Uhr, und es ging zurück zu unserem Haus. Ich hatte auch schon etwas Hunger und ich dachte wieder an die Vokabeln. Den Heimweg kannte Asko von alleine. Meist war er schon am Haus, wo ich noch weit zurücklag.
Ich konnte aber immer noch nicht einschlafen. Es war sehr heiß im Zimmer. Also machte ich das Fenster auf. Direkt gegenüber von meinem Zimmer, vielleicht gerade mal 50 Meter Luftlinie, stand eine Scheune. Sie gehörte den Eltern von Gabi. Sie hatten heute mehrere Wagen von Heu in die Scheune eingebracht. Es roch noch stark danach. Ich mochte diesen Geruch. Ganz weit hinter der Scheune erhöhte sich das flache Land. Man konnte gerade noch so eine Bundesstraße erkennen, auf welche sich Fahrzeug an Fahrzeug reihte. Die Lichter der Scheinwerfer sahen aus, wie an einer Kette aufgerollte Diamanten. Ab und an hörte ich das Zirben einer Grille.
Schlafen konnte ich immer noch nicht. „Fffffuuuhmmm“, kam es aus meinem Mund. Und dann verstärkten sich noch meine Zuckungen. Ich versuchte die Wörter zu unterdrücken.
Je mehr ich jedoch unterdrückte, desto schlimmer wurden meine Tics am Körper. Ich streckte immer wieder ruckartig mein linkes Bein nach vorne und dann dazu meinen rechten Arm. Ich hob richtiggehend vom Bett ab. Und jetzt musste ich doch noch die F… Wörter schreien. Ich hörte meine Worte teilweise als Echo von außen wieder zurückkommen.
Da wurde meine Zimmertür aufgerissen und mein Vater schrie laut: „ Jetzt reicht es aber! Hör auf damit. Du wächst ja die ganze Nachbarschaft auf.“ Und schon war die Türe wieder zu und er verschwunden. Ich hatte erschrocken die Luft angehalten, als die Tür aufgegangen war. Nun ließ ich laut die Luft wieder aus meinem Mund strömen. Was blieb mir anderes übrig. Ich schloss das Fenster. Obwohl es wohl im Zimmer mindestens um die 26 Grad warm war und es schnell stickig wurde.
Ich legte mich wieder auf das Bett und brüllte noch ein paar Minuten in mein Kopfkissen. Dann drehte ich mich auf die Seite und versuchte meine Tränen zu ignorieren. Ich muss wohl so gegen Morgen eingeschlafen sein.
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InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V.
Verbrauchte Liebe (Die brennende Sehnsucht)
Der
schüchterne Cassian macht mehr zufällig die Bekanntschaft von Melanie. Es
scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein. Als er dann jedoch auf Melanies
Geheimnis stößt, wird ihm sein eigenes Handicap erst richtig bewusst. Noch
verschweigt er, dass er unter dem Tourette Syndrom leidet. Wie lange kann er
seine Tics noch unterdrücken? Wie kommt er damit zurecht, dass Melanie als
Prostituierte gearbeitet hat? Kann seine explodierende Sexualität und die
Sehnsucht nach körperlicher Zweisamkeit die tief gerissenen Wunden seiner
Zwänge und Tics heilen oder zumindest lindern? Vielleicht ja, wenn da nicht
auch noch die Gesellschaft mit ihren Vorurteilen wäre.(Otto Flake)
Er kaute nervös an seinem belegten Brot. Es war immer ein Gewaltakt, mit dem kleinen Hubwagen die zerlegten und verpackten Möbel vom LKW ins Lager zu transportieren. Mike, der Fahrer, hatte gerade mal 40 Minuten Zeit. Das war sehr wenig für eine Person zum Entladen. Und Mike konnte mit seinen 73 Jahren nicht wirklich mithelfen.
Cassians Kopf fing schon wieder an, zu zucken. Und Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. „Nur nicht daran denken.“ Und wenn dann auch noch Kunden vor dem Tor standen und auf die Ausgabe der Möbel warteten, begannen seine Tics erst recht zu explodieren.
Was sollte er zuerst machen. „Muuuuud, effffff“, seine Tics und die Laute aus seinem Mund nehmen rapide zu. Er versuchte krampfhaft, nicht mehr daran zu denken.
„Nur nicht weiter darüber nachdenken, was sein könnte.“
Sein rechtes Bein zuckte auf und ab. „Jetzt reiß dich endlich zusammen.“ Er schlug mit der Faust auf das Bein. Ein kurzer Schmerz und der Tic war überlagert.
„Muuufffhh“, er kämpfte innerlich wie äußerlich in dem kleinen Bürohäuschen gegen sich selbst, gegen das verfluchte Tourette.
„Hallo, ist da niemand?“
Cassian zuckte zusammen. Auf der kleinen Treppe neben der Warenausgaberampe stand eine junge Frau. Als er auf sie zuging, sah er, dass aus ihrem Kleinwagen ein weiteres Mädchen ausstieg.
„Hallo, was kann ich für Sie tun?“
„Ich möchte das hier mitnehmen“, sie gab ihm einen Kassenbon in die Hand.
Cassian schaute zuerst auf das Papier und dann automatisch zu dem Kleinwagen vor der Rampe. Das Mädchen dort hatte bereits die Heckklappe geöffnet.
Cassian Blick versank in Melanies kastanienbraunen Mantelaugen.
„Dummerchen! Natürlich weiß ich von deinen Tics. Was denkst du, was ich in meiner zweijährigen Krankenschwesterausbildung noch so alles behalten habe? Glaubst du, der Begriff Tourette ist mir unbekannt. Du hast mir nie davon etwas gesagt. Natürlich hattest du deinen Grund dafür. Aber das hat mich nie gestört. Weißt du, was mich wirklich gestört hat? Was mich aus der Bahn geworfen hat und mein Leben wirklich fast zerstört hätte?“
Melanie liefen die Tränen in Strömen aus den Augen. Und Cassian hatte den Mund offen stehen und glaubte nicht, was er gerade hörte.
Erst als Melanie schwieg, kam er wieder zu sich. Er küsste erst ihren Mund und begann dann, jede einzelne Träne mit einem Kuss zuzudecken. Leider waren es aber doch zu viele.
„Und ich dachte, das wäre das Aus zwischen uns!“
Sie blickte ihn jetzt trotzig an. „Jetzt hör doch mal auf, nur an dich zu denken.“
Cassians erste Träne verschwand schneller, als sie in seinem Auge erschien. „Was meinst du damit?“
„Was denkst du, wie ich zu dem Leben gekommen bin, das ich im letzten Jahr gelebt habe?“
Cassian streichelte versonnen über ihren Bauch und malte Kreise um ihren Bauchnabel. „Nachdem ich deine Eltern heute kennengelernt habe, denke ich mir, dass ein großer Teil von ihnen verursacht wurde. Wie auch immer.“
Melanie entspannte sich etwas und trocknete sich mit dem Kopfkissen die Tränen. „Du kannst dir überhaupt nicht vorstellen, was hier so alles abgelaufen ist. Gaby hatte noch Glück, dass sie einen reichen Mann kennengelernt hat. Er ist zwar verheiratet, hat aber genug Geld, um sie nebenbei noch auszuhalten. Inoffiziell ist sie natürlich seine Freundin, und offiziell lebt er getrennt und will sich scheiden lassen. Meine Eltern glauben das, was sie glauben wollen. Gaby hat mir aber klar gesagt, dass sich Klaus niemals scheiden lassen würde.“
Melanie schwieg kurz.
„Liebst du mich?“ Die Frage von Cassian überraschte sie im ersten Moment total.
„Meine Seele und mein Körper gehören dir. Und nur noch dir. Das verspreche ich hoch und heilig!“
Cassian war geschockt. Er war absolut überrumpelt von dieser Hingabe. „Muuufgguu“, und bevor er noch weitere Laute von sich geben konnte, stillte Melanies Zunge in seinem Mund alle Tics und Zwänge.
Sie wischte Cassians Tourette einfach beiseite. Als ihre Zungen sich voneinander trennten, waren die Tränen in ihren Gesichtern zu kleinen Bächen geworden und ein Seufzen entwich beiden.
Cassians Hand lag immer noch zwischen Melanies Schoss und er wagte nicht sie zu bewegen.
„Und du?“, kam leise ihre Gegenfrage.
Sie schauten sich beide in die verweinten Gesichter.
„Über alles!“ Mehr konnte Cassian nicht von sich geben.
Sie schlangen ihre Arme umeinander und blieben mehrere Minuten so eng umschlungen liegen.
In Cassians Kopf rauschte es immer stärker. Er sah leicht verschwommen, wie Melanie sich wieder aufsetzte und sich das verweinte Gesicht mit einem Handtuch aus der Reisetasche trocknete. Leseausschnitt Ende
E-Book 2. Auflage
Broschiertes Buch
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